Ein gutes Mittelmass | Drucken |


Ein allgegenwärtiges Thema ist die Bildung und die Förderung von Jugendlichen und Kindern. Es wird immer vielfältigeres Wissen verlangt. Heutige Menschen müssen flexibel sein, ihr Potenzial bestmöglichst ausnutzen und der Schnelllebigkeit des Alltages standhalten. Diese hohen Anforderungen machen nicht halt vor dem Alter der Kinder. Frühförderung ist allgegenwärtige. Wer sich in Medien und Anzeigen vertieft, findet eine grosse Anzahl von Kursen und Büchern für eine vielfältige Förderung. Dies alles erweckt den Anschein, dass sich eine kindliche Entwicklung nicht mehr ohne spezifischen Unterricht lange vor Schuleintritt bewerkstelligen lässt. Und es erhöht bei vielen Eltern den eigenen Druck, den sie sich möglicherweise schon selber machen. Wer wünscht sich für die eigenen Kinder nicht das Beste im Leben? Und wer, wenn nicht die Eltern, sind in den ersten Jahren dafür zuständig? Pro Familie liegt die Kinderanzahl statistisch im Moment bei 1,5. Mangelprodukte werden meist als wertvoller eingestuft. Kinder erhalten somit einen Status, der sonst für Edelprodukte reserviert ist. Es wird viel für sie gemacht, und ebenso viel von Ihnen verlangt. Dieser Perfektionismus geht Hand in Hand mit der Bildungsentwicklung einher und lastet auf den Eltern.
In der Mütter-und Väterberatung sensibilisieren wir die Eltern für die Qualität der Entwicklungsunterstützung und helfen den Stress der Quantität zu vermindern. Der Alltag mit Kleinkindern ist ein ideales Forschungsgebiet. Wenn man sich darin Zeit nimmt und die Kinder beobachten kann, werden der Eifer und die Vielfältigkeit der Erfahrungen schnell sichtbar. Sie probieren die Handlungen, die sie bei en Vorbildern gesehen haben und wünschen sich ihren eigenen Raum und ihre individuelle Zeit, um sich das Wissen so einzuverleiben.

Ursula Zürcher, März 2009